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«Ich war schon als Kind ein Fan der Musikschule»
Mit 418 Neuanmeldungen ist die Musikschule am Montag, 18. August 2025 ins neue Schuljahr gestartet. Direktor Roger Szedalik freut sich sehr über diesen Rekord. In unserem aktuellen Interview werfen wir mit ihm einen Blick in die Zukunft der Liechtensteinischen Musikschule und sprechen über Herausforderungen und Chancen.
Roger, seit 1. Juni 2025 bist du als neuer Direktor der Musikschule im Amt. Wie ist dein Start verlaufen?
Roger Szedalik: «Dank der intensiven Einarbeitung durch meinen Vorgänger Klaus Beck, die ich seit Februar in Anspruch nehmen konnte, bin ich gut gestartet. Es gab in den Sommerferien einige Herausforderungen bezüglich Raumeinteilungen zu meistern, damit der Betrieb im neuen Schuljahr losgehen konnte. Ich freue mich sehr, dass bereits heute, am ersten Schultag, Musik aus den Unterrichtsräumen in diesem traditionsreichen Rheinbergerhaus klingt.
Ich bin mir bewusst, dass ich als Direktor nun einen anderen Blickwinkel einnehme als bisher in meiner Tätigkeit als Musiklehrer und bin bereit für die täglichen Aufgaben, die auf mich zukommen.»
Wie ist deine Verbindung zur Musikschule entstanden und was war ausschlaggebend dafür, dich um die Direktorenstelle zu bewerben?
«Schon als Kind war ich ein Fan der Musikschule. Mit sieben begann ich, hier Gitarre zu lernen. Das hat mir grosse Freude bereitet, zumal die Lehrer immer gut drauf waren und eine lockere Stimmung herrschte. Als ich dann vor 13 Jahren selbst als Gitarrenlehrer mit ins Team kam, durfte ich diese Freude am Instrument und am Musizieren meinen Schülerinnen und Schülern weitergeben.
Ich schätzte die gute Zusammenarbeit und den Zusammenhalt der Lehrerkolleginnen und -kollegen all die Jahre sehr und war beeindruckt, wie Klaus die Musikschule gut organisiert vorwärtsbrachte. Wir Lehrpersonen konnten uns auf ihn verlassen, erfuhren Unterstützung und schätzten seine transparente Kommunikation sehr. Das möchte und werde ich selbstverständlich weiterführen.
Schlussendlich haben Gespräche mit Lehrerkollegen dazu geführt, dass ich über die Möglichkeit einer Bewerbung um diese Stelle intensiv nachgedacht habe. Ich war offen für eine Veränderung und sah es als grosse Chance, diese Bildungs- und Kulturinstitution gemeinsam mit einem grossartigen und kompetenten Team in die Zukunft führen zu dürfen. Dementsprechend habe ich mich auch sehr über die Zusage gefreut.»
Welches sind die grössten Herausforderungen für dich persönlich?
«Dazu gehören auf jeden Fall die Ungewissheit, wann welche Überraschungen im Alltag auftauchen und die Herausforderung, all diese vielseitigen Aufgaben effizient zu organisieren und zu koordinieren.
Der Alltag an der Musikschule bringt viel Abwechslung, es wird garantiert nie langweilig. Umso dankbarer bin ich für das erfahrene und motivierte Team, das mir täglich zur Seite steht. Ein besonderer Dank gilt Conny, Reinhild und Christian, die im Büro des Rheinbergerhauses hervorragende Arbeit leisten. Zur Musikschule gehört ebenso der Stiftungsrat mit seinem neuen Präsidenten Günther Fritz. Ich schätze sein Mitwirken und die sehr gute Zusammenarbeit ausserordentlich. Der Stiftungsrat ist mit Mitgliedern aus unterschiedlichen Ressorts besetzt und immer bemüht, konstruktive Impulse zu geben sowie allfällige Fragen zu klären.»
Welche Herausforderungen warten auf die Musikschule?
«Die Musikschule muss auch künftig ein attraktiver Bildungsort bleiben. Die Digitalisierung bietet hier viele Chancen, welche sinnvoll genutzt werden können und müssen. Schlussendlich bleibt sie aber ein Ort der zwischenmenschlichen Beziehungen und der persönlichen Weiterentwicklung.
Ein Instrument richtig zu erlernen, funktioniert nur im direkten Austausch zwischen Lehrperson und Schüler bzw. Schülerin. Wir haben hier die Chance, jungen Menschen zu zeigen, dass nur langfristige Lernprozesse einen persönlich und fachlich weiterbringen. Sie lernen, dass es sich lohnt an etwas dranzubleiben und das verbunden mit viel Spass. Wir bieten ihnen Plattformen und Möglichkeiten, gemeinsam zu musizieren, aufzutreten und dadurch ihre sozialen Kompetenzen zu entwickeln.»
Mit deinem Amt als Direktor hast du auch die Leitung der Internationalen Meisterkurse Vaduz übernommen. Wie sind die diesjährigen Kurse und Konzerte gelaufen?
«Die Meisterkurse waren ausgebucht und ich durfte viele positive Rückmeldungen entgegennehmen. Ich habe diesen internationalen Anlass als sehr intensiv und spannend erlebt. Es herrschte eine gute Stimmung unter den Dozenten und Studierenden, die fast aus der ganzen Welt angereist sind. Sie waren alle sehr motiviert bei der Sache. Wir planen, 2026 einen zusätzlichen Kurs in Gesang anzubieten.»
Wohin darf oder soll sich die LMS unter deiner Leitung entwickeln?
«Einen Schwerpunkt möchte ich bei der Weiterentwicklung und Festigung unseres GrooveLabs setzen, das von unserem Musiklehrer Stefan Frommelt initiiert wurde. Es verbindet die Angebote der Sparte Jazz-Rock-Pop und Improvisation und richtet sich an die heimische Musikszene und ihren Nachwuchs. Mit der Stärkung und Erweiterung dieser Angebote wollen wir dazu beitragen, die Musikszene in Liechtenstein weiterzuentwickeln und zu festigen. Der Bandnachwuchs hierzulande soll verstärkt unterstützt werden.
Es ist mir ein grosses Anliegen, diese musikalische Förderung von Nachwuchsmusikern auszubauen und ihnen in Workshops, Sommercamps und ähnlichem die erforderlichen Skills zu vermitteln. Neben Auftrittsmöglichkeiten möchten wir ihnen auch im Bereich von Studioaufnahmen und Videoproduktionen zur Hand gehen. Die Musikschule verfügt über die fachliche Kompetenz, Infrastruktur und eine gute Vernetzung mit anderen Kultur- und Bildungsinstitutionen, sodass wir dieses Ziel in den kommenden Jahren erreichen können.»
Was steht in diesem Jahr noch in der Agenda der Musikschule?
«Im November steht wieder der Rheintaler Musikwettbewerb RhyContest auf dem Programm. Seit 2021 führen die Musikschulen Am Alten Rhein, Musik im Zentrum, Oberrheintal, Werdenberg, Sarganserland und unsere Musikschule gemeinsam diesen jährlichen Wettbewerb durch. Er bietet die Möglichkeit, vor einer Fachjury aufzutreten und die eigenen Leistungen bewerten zu lassen.
Ausserdem werden wieder unsere beliebten Erwachsenenkonzerte stattfinden. Das vorhin erwähnte GrooveLab setzt seine Konzertreihe «Bands on Stage» mit zwei weiteren Konzerten in der Braustube Schaan und im Schlösslekeller Vaduz fort. Daneben wird es wieder Vorspielabende und Klassenkonzerte geben.»
Wirst du selbst noch Zeit zum Unterrichten haben und um als Musiker aktiv zu sein?
«Ich habe ein kleines Unterrichtspensum behalten, um am Ball zu bleiben. Natürlich werde ich auch bei Auftritten mit meinen Bands immer mal wieder live zu hören sein. Für mich passt die Balance so gut.
Wie gesagt, bin ich sehr gespannt, was die Zukunft bringt, und freue mich auf die kommenden Herausforderungen. Vorerst wünsche ich allen neuen und bisherigen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrpersonen ein erfolgreiches musikalisches Schuljahr.»
Danke, Roger Szedalik, für das Gespräch und viel Freude und Erfolg bei deinen Aufgaben als Direktor der Liechtensteinischen Musikschule.
(Interview: Anita Heule)