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«Mein Beruf erfüllt mich sehr»
Ladina Hoop ist seit einem Jahr festangestellte Musikpädagogin an unserer Musikschule. Sie unterrichtet Musikalische Früherziehung und Musizieren für Kinder an verschiedenen Gemeindeschulen des Landes. In unserem aktuellen Interview berichtet die leidenschaftliche Sängerin über ihren Werdegang und gibt Einblicke in die Arbeit mit ihren Schützlingen.
Ladina, wir haben erfahren, dass du kürzlich geheiratet hast. Herzlichen Glückwunsch! Du lebst mit deinem Mann Achim in Eschen. Wo bist du aufgewachsen und wie bist du mit Musik in Berührung gekommen?
Ladina Hoop: «Ich bin in Lindau am Bodensee aufgewachsen. Mein Vater ist sehr musikalisch. Er spielt Gitarre und singt. Ich selbst hatte auch immer Freude am Singen. Da ich die Waldorfschule besuchte, kam ich während meiner Schulzeit ausgiebig in den Genuss musischer – und speziell musikalischer – Bildung. Meine Mama und mein damaliger Lehrer förderten mich in dieser Hinsicht sehr.
So sang ich schon früh im Kinderchor und gewann durch gelegentliche Konzerte zunehmend an Selbstsicherheit. Mit elf Jahren etwa fand ich Interesse am Notenlesen und brachte mir ein Stück weit selbst das Klavierspielen bei. Doch schlussendlich war es immer das Singen, das mich faszinierte. Mit dreizehn erhielt ich den ersten Gesangsunterricht. Dort kam ich erstmals in Berührung mit klassischer Musik und den technischen Grundlagen des Singens.»
Wie kam es zu deiner Berufswahl?
«Es war schon immer mein Wunsch, beruflich etwas mit Musik zu machen. Was genau, war mir allerdings nie ganz klar. Nach meiner Schulzeit absolvierte ich eine Ausbildung im sozialen Bereich und arbeitete einige Jahre mit Menschen mit Behinderungen. Ich habe damals in sämtlichen Inklusionsbands mitgespielt und gesungen und immer wieder kleine interne Musikabende mit den Bewohnern gestaltet.
Als ich dann wieder Gesangsunterricht nehmen wollte, bin ich auf Dora Kutschi gestossen, meine spätere Hochschullehrerin für Gesang. Sie hat mir vorgeschlagen, anstatt «nur» Gesangsunterricht zu nehmen, das Fach zu studieren. Nach bestandener Aufnahmeprüfung hatte ich das Privileg, bei ihr an der Stella Musikhochschule in Feldkirch mein Studium zu absolvieren. Ich belegte Gesangspädagogik und Elementare Musikpädagogik – zwei Fachrichtungen, die sich gut kombinieren lassen. Das Studium bestätigte mich in meinem Wunsch, die Musik an Menschen jeden Alters weitergeben zu können.»
Wie hat dich dein Weg an die Liechtensteinische Musikschule gebracht?
«Während der Studienzeit lernte ich meine heutige Lehrerkollegin Silke Moschner kennen. Ich erhielt damals den Auftrag, die von ihr initiierte inklusive «Superband» bei der Vorbereitung auf ein Konzert zu unterstützen. Sie erzählte mir, dass an der LMS eine Lehrperson für Elementare Musikpädagogik gesucht wird und es auch am Heilpädagogischen Zentrum HPZ in Schaan eine offene Musiklehrerstelle hat. So bewarb ich mich für beides und habe das Glück, nun an beiden Orten unterrichten zu dürfen.»
Wie gefällt es dir hier?
«Es gefällt mir sehr gut. Wir arbeiten in einem harmonischen, tollen Team und haben die Freiheiten, uns zu entfalten und eigene Ideen sowie unsere Persönlichkeiten miteinzubringen. Ich liebe es, meine Begeisterung für die Musik weiterzugeben. Gerade die Arbeit mit Kindern ist sehr authentisch und das Feedback direkt. Es ist schön zu sehen, wenn die Kinder sich gegenseitig motivieren und mit ihrer Freude anstecken.»
Worauf legst du Wert beim Unterrichten?
«Es ist mir wichtig zu vermitteln, dass es nicht egal ist, wie man musiziert oder singt. Das Geheimnis liegt in der Differenzierung, z.B. in der Art und Weise, der Lautstärke und mit welcher Hingabe etwas gesungen wird. So wird aus einem Lied eine Botschaft und die Musik erhält den Wert, den sie verdient.
Den Kindern vermittle ich beispielsweise die Unterschiede zwischen Löwengebrüll und Sternenklängen. Ich versuche, sie für die Inhalte zu sensibilisieren und stelle fest, dass sie die relevanten Feinheiten rasch erkennen und umsetzen können. Kinder mit Sprachbarrieren lernen über die Musik viel rascher eine ihnen unbekannte Sprache. Kombiniert mit Bildern, Melodien und Geschichten finden sie meist leichter den Zugang dazu als über den klassischen Sprachunterricht.»
Was sind die grössten Herausforderungen bei deiner Arbeit?
«Der Unterricht in grossen Gruppen braucht viel Energie. Jedes einzelne Kind bringt seine tagesaktuellen Geschichten, Erlebnisse und Befindlichkeiten mit in den Unterricht. Diesen gilt es mit Geduld und Kreativität – aber auch mit Disziplin – zu begegnen. Dabei meine ich auch, mich selbst immer wieder zu diszipliniere und meine überbordende Kreativität zugunsten der Sache im Zaum zu halten. Bei der Arbeit mit Kindern läuft es eigentlich immer anders als geplant. Aber auch spontane Planänderungen können berührende Momente bereithalten. Besonders schön finde ich es, wenn Kinder ihre eigenen Instrumente mitbringen und der Klasse etwas vorspielen.»
Worin findest du den Ausgleich zu deinem lebhaften Berufsalltag?
«Mein Mann und ich sind gerne in der Natur, wo wir beim Wandern, Klettern und Bouldern einen erholsamen Ausgleich zum Alltag finden. Wir reisen mit unserem Auto mit Dachzelt umher und geniessen die verschiedensten Landschaften beim Campieren. Unsere Hochzeitsreise führte uns durch Schottland. Das hat mich sehr beeindruckt. Aber auch asiatische Länder faszinieren mich, insbesondere die innere Ruhe und Gelassenheit der Menschen dort.»
Trittst du selbst auch als Sängerin auf?
«Ich liebe es, auf der Bühne sein zu dürfen seit meiner Schulzeit. Damals habe ich gelernt mich zu präsentieren, Vorträge zu halten und aufzutreten. Ich durfte bereits Bühnenerfahrung bei der Operette Balzers und bei den Bregenzer Festspielen sammeln. Ob Gesangsrollen oder Schauspiel – mir machen diese Projekte immer grosse Freude.»
Du hast gemeinsam mit deinen Lehrerkolleginnen Nadja Nigg und Carina Riegler das Jugendchor-Projekt der Musikschule ins Leben gerufen. Wie kam es dazu und was sind eure Ziele?
«Ich kenne Nadja und Carina bereits seit der Studienzeit und freue mich sehr, mit den beiden den Jugendchor aufzubauen. Ich leite bereits die Kids des We are Family Chores in Triesen und unterstütze Carina Riegler bei den Kinderchören in Mauren. Mit der Gründung eines Jugendchores an der Musikschule möchten wir den Jugendlichen, die aus den Kinderchören herauswachsen, die Möglichkeit geben, weiterhin gesanglich aktiv zu bleiben, sich mit Gleichaltrigen zu treffen und Spass zu haben. Natürlich sehen wir unser Engagement auch als Nachwuchsförderung für die Chöre in Liechtenstein.
Singen im Chor hat viele soziale Aspekte, die in der Teenagerzeit besonders wichtig sind. Wir freuen uns, dass sich ehemalige Schüler aus der Musikalischen Früherziehung und beispielsweise Geschwister, die ein gemeinsames Hobby teilen wollen, für den Chor interessieren. Es hat noch Plätze frei für den Start im August und wir freuen uns auf alle, die mit dabei sein werden.»
Welche Wünsche und Pläne hast du für die Zukunft?
«Ich bin beruflich angekommen. Das Unterrichten erfüllt mich und macht mir viel Freude. Im Laufe der Zeit dürfen gerne noch mehr Jugendliche und Erwachsene hinzukommen. Ich werde meine gesanglichen Fähigkeiten weiterhin vertiefen, damit ich diese in Zukunft gerne auch im Rahmen des Gesangsunterrichts an Menschen jeden Alters weitergeben darf.»
Ladina, herzlichen Dank für die interessanten Einblicke in deinen Werdegang und das angenehme Gespräch!
(Interview: Anita Heule)