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«Das Schönste ist es, die Musik zu teilen»
Der gebürtige Spanier Guillermo Delis lebt seit 17Jahren in Vorarlberg. Zu Beginn dieses Schuljahres im August 2025 nahm er seine Unterrichtstätigkeit im Fach Gitarre und E-Gitarre an unserer Musikschule auf. Wir durften mit ihm einen Blick auf seine Laufbahn und seine aktuellen Tätigkeiten werfen.
Guillermo, du bist in Spanien aufgewachsen. Wie bist du zur Musik gekommen?
«Mein Vater war Unternehmer und ein sehr charismatischer Mann. Er hat leidenschaftlich Gitarre gespielt und gesungen, auch in der Öffentlichkeit. So kam es vor, dass unsere Familie in einem Restaurant gegessen hat und er mich oder eines meiner Geschwister nach Hause laufen liess, um seine Gitarre zu holen. Er spielte immer mit viel Gefühl. Das hat mich beeindruckt und geprägt. Meine fünf Brüder und Schwestern sind grösstenteils musikalisch. Insgesamt spielen vier von uns Instrumente.»
Wie verlief deine musikalische Laufbahn?
«Ich habe schon als Kind den Gitarrenunterricht besucht. Mein Berufswunsch war es allerdings, Oberstufenlehrer zu werden. Deshalb entschied ich mich anfangs für ein Studium der Kunstgeschichte. Doch nach und nach gab die Musik den Takt in meinem Leben an, sodass ich klassische Gitarre, Musikpädagogik und Musikwissenschaften studierte. Letzteres habe ich mit dem Doktorat abgeschlossen. Um rasch fertig zu werden, belegte ich Kurse und Vorlesungen in doppeltem Umfang.»
Wie kamst du hierher ins Rheintal?
«Ursprünglich strebte ich eine Anstellung im universitären Bereich an. Doch wie das Leben so spielt, zog es mich der Liebe wegen ins Rheintal. Ich hatte das Glück, rasch eine Anstellung als Musiklehrer an der Musikschule Rankweil zu erhalten, wo ich fünfzehn Jahre lang mit viel Freude unterrichtet habe.»
In deiner Heimat hattest du in der Metropole Madrid studiert und gelebt. Wie war der Umzug in die ländliche Gegend hier für dich?
«Ich sehe das Rheintal wie eine grosse Stadt. Von Chur bis an den Bodensee gibt es in allen Lebensbereichen zahlreiche Angebote und dennoch spürt man den ländlichen Charakter. Ich habe in den vergangenen Jahren glücklicherweise viele gute Erfahrungen gemacht und schätze die liebenswerten und grosszügigen Menschen hier, auch wenn sie etwas zurückhaltender sind als typische Spanier.»
Du unterrichtest seit diesem Schuljahr an der Liechtensteinischen Musikschule und hast ein weiteres Pensum in Werdenberg. Worauf legst du Wert beim Unterrichten?
«Das Schönste ist es, die Musik mit anderen zu teilen. Diesen Gedanken trage ich aktiv in meine Klassen. Ich unterstütze meine Schülerinnen und Schüler jeden Alters gerne in der Vorbereitung auf Vorspielabende, Konzerte und Wettbewerbe. Ich motiviere sie, bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen bietet, aufzutreten und vorzuspielen – insbesondere auch im Familien- und Freundeskreis. Damit sie dies umsetzen können, vermittle ich ihnen im Unterricht das dafür benötigte Handwerk. Ich schätze die Abwechslung im Unterricht sehr, welche sich aufgrund des Alters, des Könnens, der Motivation und Ziele sowie der bevorzugten Stilrichtungen meiner Schützlinge ergibt.»
Du leitest seit diesem Semester auch zwei Bandworkshops. Wer sind die Bands und was macht für dich das Bandcoaching aus?
«Ich betreue eine Teenager- und eine Erwachsenenband. Auch hier geht es darum, die Musik zu teilen und gemeinsam zu musizieren. Wir bereiten die Bands auf Konzerte und Studioaufnahmen vor. Die grösste Herausforderung sehe ich in der geeigneten Stückauswahl. Glücklicherweise konnte ich in meiner Laufbahn auch in diesem Bereich viele Erfahrungen sammeln. Im Vergleich zum Unterricht ist das Coaching zeitaufwendiger. Es macht mir jedoch grossen Spass und es ist sehr befriedigend, die Ergebnisse irgendwann live auf der Bühne zu sehen.»
Apropos Bands: Du bist selbst auch als Bandmusiker aktiv. Möchtest du uns darüber erzählen?
«Ich hatte in meiner Jugend selbst eine Band gegründet und über die Jahre als Gitarrist in verschiedenen Pop-Rock- und Jazz-Formationen gespielt. Aktuell bin ich mit meinem Lehrerkollegen Julian Torres und einem weiteren Musiker im Trio «Torres Raidt y Delis» aktiv. Wir bereiten uns gerade intensiv auf unsere CD-Präsentation vor, die am 25. April 2026 in Dornbirn (TIK) stattfinden wird.»
Welche Stilrichtung bevorzugst du für dich selbst?
«Aktuell ist er der Jazz, aber auch Rock und Klassik bedeuten mir viel. Die Liebe zur Klassik entwickelte sich in meiner Jugend und wurde begleitet von meinem grossen Interesse an Kunst und Literatur. Dies war mit ein Grund, weshalb ich zuerst Kunstgeschichte studiert habe. Andererseits hörte und spielte ich auch gerne Rockmusik und hatte als Gitarrist auch immer einen Bezug zur Popularmusik.»
Hattest du selbst Lehrer, die dir ein Vorbild waren?
«Mein erster Musiklehrer war ein toller Mensch. Wir hatten eine gute Beziehung und ich mochte ihn gerne, was sich auf meine Motivation und die Lernbereitschaft auswirkte. Mein Professor am Konservatorium, Flores Chaviano, und Professoren wie Julio Arce und Gerardo Arriaga an der Uni, waren hingegen fachlich sehr gut. Ich habe erkannt, dass beides sehr wichtig ist: das Menschliche und das Fachliche.
Ich habe in den 18 Jahren, in denen ich bereits unterrichte, sehr viel darüber gelernt und durfte ein Gefühl für mein Gegenüber entwickeln. Ich weiss verschiedene Strategien anzuwenden, um meinen sehr unterschiedlichen Schülern und Schülerinnen das Gitarrenspiel näherzubringen. Aus diesem Grund schätze ich auch den Einzelunterricht, wie er an der Liechtensteinischen Musikschule üblich ist, ausserordentlich. Es ist ein Luxus, eins zu eins unterrichten zu dürfen.»
Dein Leitsatz ist «Nie dam sie», was so viel bedeutet wie «nicht aufgeben». Woher kommt dieser?
«Das ist polnisch und stammt vom Pianisten Arthur Rubinstein, dessen Biografie ich sehr interessant finde. Neben seiner harten Arbeit als Künstler und Virtuose war Rubinstein ein Lebemann, der das Leben genoss.»
Guillermo, wie sieht dein Leben neben der Musik aus? Hast du Hobbys und regelmässige Reiseziele?
«Gutes Essen ist mir sehr wichtig. Daneben halte ich mich mit Tennis fit. Ich spiele im Verein und nehme auch an Amateurmeisterschaften teil. Die Verbindung von mentaler und körperlicher Fitness gefällt mir sehr an diesem Sport. Man muss sich ebenso wie beim Musizieren sehr fokussieren.
Ich reise regelmässig in meine Heimat Spanien, wo meine Mutter lebt und sozusagen als Zentrale unserer Familie fungiert. Meine Geschwister sind in Nordafrika, Paris und an anderen Orten auf der Welt verteilt. Zu Ostern und Weihnachten treffen wir uns traditionsgemäss alle zu Hause.»
Wie darf es für dich weitergehen? Welche Ziele verfolgst du?
«Ich möchte weiter unterrichten und meine Klasse hier in Liechtenstein aufbauen. Mit dem Trio steht wie erwähnt die CD-Präsentation kurz bevor. Ausserdem strebe ich einen Tennispokal an. Als Halbprofi wird leider nichts mehr mit Roland Garros, aber ich hoffe es klappt mit einem Titel in der Vereinsmeisterschaft!»
Dafür drücken wir gerne die Daumen und danken dir herzlich für das interessante Gespräch.
(Interview: Anita Heule)