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In Harmonie zusammenfinden
Sie ist Sängerin, Gesangspädagogin, Chorleiterin, Organistin und spielt mehrere Instrumente. Corinne Grendelmeier Nipp unterrichtet seit 2005 klassischen Gesang an der Liechtensteinischen Musikschule. Die vielseitige Musikerin interessiert sich zudem seit ihrer Jugend für Theologie.
«Meine Eltern haben mich und meine beiden jüngeren Brüder stets musikalisch gefördert», antwortet Corinne Grendelmeier Nipp auf die Frage, wie sie mit der Musik in Berührung gekommen ist. Sie erzählt: «Ich bin in der Region Olten aufgewachsen. Zu Hause haben wir von klein auf mit unseren Eltern Volkslieder gesungen und nach und nach verschiedene Instrumente erlernt. Mit sechs Jahren gab ich bereits meinen Entschluss bekannt, Sängerin zu werden.»
Als Familienkapelle unterwegs
Da Corinne für die Gesangsausbildung noch zu jung war, erlernte die Musikpädagogin erst Klavier und Geige. Zu einer Familienkapelle formiert, lud die fünfköpfige Familie Grendelmeier damals regelmässig zwölf Instrumente – darunter sogar einen Kontrabass – in ihren Familienbus und fuhr zu verschiedensten Auftritten, beispielsweise in Altersheimen oder zur musikalischen Begleitung von Trachtentanzgruppen.
Nach einem Zwischenjahr mit der Familie in den USA stand für unsere Gesprächspartnerin mit 14 Jahren der Wechsel aufs Gymnasium an. «Meine Eltern erkannten, dass mir auf dem heimischen Gymnasium aufgrund des Schulweges, der Unterrichts- und Lernzeiten nicht mehr viel Zeit für die Musik bleiben würde. Aus diesem Grund ermöglichten sie mir den Besuch des Mädchengymnasiums St. Ursula mit Musikzug in Freiburg im Breisgau. In dieser Zeit entwickelte und verstärkte sich mein Interesse an Theologie und Kirchenmusik. Nach der 10. Klasse schloss ich dort die Mittlere Reife ab. Meine Matura erlangte ich in den folgenden drei Jahren zurück in der Schweiz an der Kantonsschule Zofingen.»
Gesang löste die Geige ab
Leider schränkte zu dieser Zeit eine Sehnenscheidenentzündung die Mobilität ihres Armes ein und zwang die Musikerin, das Geigenspiel aufzugeben. Dem Klavier blieb sie treu und startete in dieser Zeit auch mit dem Gesangsunterricht.
Eine erste Anfrage für ein Engagement als Organistin stellte eine weitere Weiche in ihrer Laufbahn. «Im Maturajahr entschied ich mich deshalb in letzter Minute, zusätzlich mit Orgelunterricht zu beginnen», führt Corinne Grendelmeier Nipp aus. In dieser Zeit lernte sie auch, Notengrafik mit dem Computer zu schreiben, um gemeinsam mit ihrem Vater mehrere Hefte von traditionellen englischen und amerikanischen Weihnachtsliedern in deutscher Sprache mit eigenen Chorsätzen herauszugeben.
Ihr Interesse an Theologie und die Möglichkeit, dieses mit der Musik zu verbinden, führte die heutige Sängerin, Organistin und Chorleiterin an die Akademie für Schul- und Kirchenmusik nach Luzern, wo sie die Kirchenmusikdiplome in Dirigieren und Orgel erlangte. Weiters absolvierte sie an der Guildhall School of Music and Drama in London Studien in Orgel, Gesang, Dirigieren und Musiktheorie und verliess diesen Studienort mit dem renommierten Organistenexamen «Associate of the Royal College of Organists» in der Tasche Richtung Heimat.
«Um mir ein zusätzliches Standbein als Gesangslehrerin aufzubauen, entschied ich mich anschliessend für ein Studium in Sologesang an der Musikakademie St.Gallen und schloss dort 2004 mit dem Lehrdiplom ab», führt Corinne weiter aus. Ihren Mann Thomas Nipp, ebenfalls Organist und Musiklehrer für Klavier und Orgel, lernte sie 1992 beim Studium in Luzern kennen. Da sie bereits Anstellungen als Organistin und Chorleiterin in Liechtenstein hatte, bewarb sie sich für ein Praktikum an der Liechtensteinischen Musikschule.
Festanstellung seit 2005
Sie erzählt: «Ich habe bei der langjährigen Gesangslehrerin und Chorleiterin Edeltraud Dünser hospitiert und praktische Erfahrung in der Arbeit mit Kindern gesammelt. 2005 folgte mein offizieller Start als Musiklehrerin an der LMS, von wo an ich auch Einzelschülerinnen unterrichtet habe.» Heute hat sie ein «eher kleines» Lehrerpensum inne, unterrichtet ambitionierte erwachsene Chorsängerinnen und leitet gemeinsam mit ihrer Lehrerkollegin Nadja Nigg das aus fünf Gesangsschülerinnen bestehende Ensemble CantusCordis.
Mit dieser Formation bereitet sie aktuell einen Beitrag für den diesjährigen klingenden Adventskalender der Musikschule vor. Zum aktuellen Rheinberger-Jubiläum hat sie dafür ein weitgehend unbekanntes, dreistimmiges Lied für Frauenchor von Rheinberger aus dem Jahr 1901 ausgesucht. Obwohl Corinne nach einer einjährigen Zwangspause aufgrund einer Krebserkrankung erst zu Beginn dieses Schuljahres ihre Tätigkeit an der LMS wieder voll aufgenommen hat, sprüht sie vor Energie und Ideen.
«Ich arbeite eng mit meiner Lehrerkollegin und Sängerin Nadja Nigg zusammen. Sie hat damals selbst als Schülerin in dem von mir im Rahmen der LMS geleiteten Mädchenchor Balzers gesungen und im vergangenen Jahr meine Unterrichtslektionen als Aushilfe übernommen», führt die Musikpädagogin aus. «Ich bin mit einem leicht reduzierten Pensum wieder gestartet und sehr dankbar, dass mich Nadja auch weiterhin entlastet und unterstützt. Die Zusammenarbeit ist sehr bereichernd und bereitet mir viel Freude.» In diesem Zusammenhang kommt unsere Gesprächspartnerin ins Schwärmen: «Das Gesanglehrerteam an der Musikschule arbeitet wirklich vorbildlich zusammen und ist sehr breit aufgestellt. Ich finde es grossartig, dass so jeder Schüler die Möglichkeit hat, entsprechend seinen Zielen die passende Lehrperson zu finden.»
Langgehegte Wünsche realisieren
Neben ihrer langjährigen Tätigkeit als Chorleiterin des evangelischen Kirchenchors Sargans-Mels-Vilters-Wangs und des katholischen Kirchenchors Sargans ist Corinne Grendelmeier Nipp nach wie vor als Organistin sowie als Korrepetitorin tätig, tritt als Sängerin bei Kirchenkonzerten auf und ist Mitglied des Laienorchesters Rheinklang in Buchs. Bei diesem spielte sie in den vergangenen Jahren auf dem Waldhorn, der Violine und der Bratsche mit.
Wie es dazu kam, erzählt sie selbst: «Ich habe mit 41 Jahren angefangen, bei Klaus Fend an der Musikschule Unterricht auf dem Waldhorn zu nehmen. Ausserdem wollte ich mir damals einen langgehegten Traum erfüllen, einmal als Erwachsene in einem Laienorchester mitzuspielen. So hatte ich nach 34 Jahren sogar wieder meine Geige hervorgeholt, auch in diesem Fach wieder mit Unterrichtsstunden an der Musikschule bei Judith Tiefenthaler begonnen und im Orchester mitgespielt.» Dazu kam später noch die Bratsche, weil es so wenige Spielerinnen im Orchester gibt.
Interesse an alten Sprachen
Ihre gesundheitlichen Rückschläge sind der vielseitig interessierten Musiker nicht anzumerken. Im Gegenteil – sie stellt sich bereits einer nächsten Herausforderung und hat an der Theologischen Hochschule in Chur ihre Studientätigkeit aufgenommen. «Vorerst belege ich die alten Sprachen Griechisch und Hebräisch. Ich wollte schon immer die Bibel in ihren Urtexten lesen können. Zudem entwickeln sich die Stunden in Chur zu einer wunderbaren Auszeit für mich. Die Hochschule bietet eine schöne Atmosphäre mit herrlichem Blick über Chur», führt Corinne aus.
Wie unschwer zu erkennen ist, ist unserer Interviewpartnerin die Vielfalt ihrer Tätigkeiten sehr wichtig. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Zwischenmenschlichen: «Die Gemeinschaft und der Austausch mit anderen Menschen liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte sie gerne dabei unterstützen, sich weiterzuentwickeln und etwas für sie Sinnvolles und Bereicherndes zu tun. Hier sehe ich meine Verantwortung und Berufung. Es gibt nichts Schöneres, als mit anderen in Harmonie zu kommen – wie es beispielsweise beim gemeinsamen Singen der Fall ist. Dies erachte ich als sehr wichtig und wertvoll, sowohl für die Kirche als auch für die Welt», unterstreicht Corinne Grendelmeier Nipp.
Sie ist froh, nach dieser Unterbrechung wieder gut ins Arbeitsleben hineingekommen zu sein. Sie fühle sich gesund, erklärt sie, und habe glücklicherweise keine Schmerzen. «Ich freue mich enorm auf alle aktuellen und bevorstehenden Projekte, wie beispielsweise das grosse Chorkonzert am 8. November 2026 im Sarganserland, die gesangliche Mitgestaltung der Messe in Balzers am 8. Dezember 2026 mit dem Ensemble CantusCordis sowie die Vorbereitungen zur Messegestaltung im Rahmen des Musikschulfestes 2027, die ich gemeinsam mit dem Team der LMS-Fachgruppe Gesang in Angriff nehmen darf.»
Herzlichen Dank, Corinne Grendelmeier Nipp, für die interessanten und vielseitigen Einblicke in dein Wirken und alles Gute.
(Interview: Anita Heule)